Tech-Aktien-Ausverkauf: Dax glimpflich, S&P 500 unter Druck

Zinsangst und Zweifel am KI-Boom schicken Chipaktien weltweit auf Talfahrt. Der Dax kommt glimpflich davon, S&P-500-ETFs spüren den Rutsch deutlicher.

4 Min. Lesezeit Verantwortlich: Dr.-Ing. Thorsten Henseler Mit KI erstellt · Methodik

Auf einen Blick

  • US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent und schürten Sorgen vor weiteren Fed-Zinserhöhungen.
  • Der Dax litt weniger als andere Börsen, weil er nur wenige Technologiewerte enthält.
  • Infineon und Aixtron brachen zum Handelsstart am Donnerstag um jeweils rund neun Prozent ein.
  • Der S&P 500 fiel am Mittwoch um 1,1 Prozent – der schwächste Tag seit Juli.
  • Mehr als 200 Aktien im S&P 500 liegen 2026 im Minus, obwohl der Index über zwölf Prozent zulegte.

Tendenzometer

Trefferquote
S&P 500fällt

Anleger fürchten weitere Fed-Zinserhöhungen, und Fachleute sehen im Ausverkauf ein deutliches Warnsignal.

Signal wahrscheinlichHorizont: 7 TageSPX getroffen · −1,0 %
DAXstabil

Der Dax wird durch den geringen Tech-Anteil gedämpft getroffen, eine klare Richtung nennt der Artikel nicht.

Signal unsicherHorizont: 7 TageDAX getroffen · 0,0 %

Was heißt das für Anleger?

Für Besitzer eines S&P-500-ETFs wirkt der Kursrutsch unmittelbar, weil der Index stark von wenigen KI-nahen Konzernen getragen wird. Wer einen Dax-Indexfonds hält, ist wegen des geringen Tech-Anteils weniger betroffen. Wer regelmäßig in ETF-Sparpläne investiert, erhält bei gesunkenen Kursen mehr Fondsanteile, sofern der Anlagehorizont passt. Zinsentwicklung und Dollarkurs bleiben für Euro-Anleger wichtige Einflussgrößen.

Konkrete Tipps für Anleger

Unerwartet hohe Inflationszahlen aus den USA, Angst vor weiteren Zinserhöhungen und Zweifel an der Finanzierung des KI-Booms haben am 14. und 15. Oktober einen weltweiten Ausverkauf bei Chip- und Technologieaktien ausgelöst. Der deutsche Leitindex kam vergleichsweise glimpflich davon – einzelne Dax-Werte dagegen nicht.

Tech-Aktien-Ausverkauf erreicht den Dax nur gedämpft

Der Dax startete am Donnerstag gut ein halbes Prozent tiefer bei 25.145 Punkten. Zur Mittagszeit lag er rund 0,3 Prozent im Minus. Laut den Kursdaten von Marketscreener stand er zum Xetra-Schluss mit rund 25.368 Punkten sogar leicht im Plus. Dass der Tech-Aktien-Ausverkauf den Dax insgesamt nur am Rand streifte, hat einen einfachen Grund: Im deutschen Leitindex stecken nur wenige Technologiewerte. Zusätzlich half laut Reuters eine Entspannung am Öl- und Anleihemarkt.

Die wenigen betroffenen Titel erwischte es dafür kräftig. Die Aktien von Infineon und Aixtron brachen zum Handelsstart um jeweils rund neun Prozent ein. Auch Siemens Energy, bislang als Profiteur des Baus von Rechenzentren gefragt, verlor bis zum Mittag knapp sechs Prozent. In Asien war der Einbruch heftiger: Der südkoreanische Kospi 200 sackte um fast neun Prozent ab, der japanische Nikkei um gut drei Prozent.

Warum Chipaktien trotz Rekordzahlen fallen

Mehrere Faktoren kommen zusammen:

  • Inflation und Zinsen: Die US-Verbraucherpreise lagen im September um 3,7 Prozent über dem Vorjahr, nach 3,4 Prozent im August. Anleger fürchten deshalb, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen weiter anhebt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang zeitweise über 5,32 Prozent. Höhere Zinsen verteuern Kredite – und das macht es schwieriger, Rechenzentren und KI-Chips zu finanzieren.
  • Schulden im KI-Ausbau: Die Aktie von CoreWeave, einem Anbieter von KI-Rechenleistung über die Cloud, fiel am Mittwoch um 15,5 Prozent – der schlechteste Tag seit Februar. Der weltweite Ausbau der Rechenzentren wird zunehmend mit Fremdkapital, also geliehenem Geld, bezahlt. Das nährt Sorgen um die Stabilität des Booms.
  • Hohe Erwartungen: Der taiwanische Chipfertiger TSMC meldete einen Gewinnsprung um 68,7 Prozent und das sechste Rekordquartal in Folge. Der Chipausrüster ASML erzielte im dritten Quartal einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro und hob seine Prognose an. Trotzdem gaben beide Aktien nach.

Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets, wertet genau das als Alarmzeichen: Wenn Anleger selbst gute Nachrichten zum Verkaufen nutzen, sei das „ein deutliches Warnsignal für die Börsen“.

So stark trifft der Kursrutsch den S&P 500

An der Wall Street fiel der S&P 500 am Mittwoch um 1,1 Prozent auf 7.718,94 Punkte. Es war der schwächste Handelstag seit Juli und der fünfte Verlusttag in den sechs Tagen seit dem jüngsten Rekordhoch. Die technologielastige Nasdaq verlor 1,9 Prozent. Zu den größten Belastungen im S&P 500 zählten Nvidia mit minus 3,2 Prozent, Broadcom mit minus 3,1 Prozent und AMD mit minus 5,7 Prozent.

Für Besitzer eines ETF auf den S&P 500 ist das unmittelbar spürbar. Ein solcher Indexfonds bildet die Wertentwicklung des Index nach – fällt der Index, sinkt auch der Fondswert. Bei Anlegern aus dem Euroraum kommt noch die Entwicklung des Dollarkurses hinzu, die Verluste verstärken oder abmildern kann.

Klumpenrisiko: Wenige Konzerne geben die Richtung vor

Der aktuelle Tech-Aktien-Ausverkauf zeigt, wie stark breite Indizes inzwischen von wenigen Branchen abhängen. Fachleute sprechen von einem Klumpenrisiko, wenn ein großer Teil des angelegten Geldes an wenigen Unternehmen oder einem einzigen Sektor hängt. Der S&P 500 gewichtet seine Mitglieder nach ihrem Börsenwert – die größten Konzerne haben also den größten Einfluss.

Wie ungleich die Entwicklung verteilt ist, zeigen Zahlen von Reuters: Seit Jahresbeginn liegt der S&P 500 noch mehr als zwölf Prozent im Plus, getragen vor allem von KI-nahen Aktien. Die mittlere Aktie im Index hat 2026 dagegen nur rund vier Prozent gewonnen, mehr als 200 der Indexmitglieder liegen im Minus. Wer einen S&P-500-ETF besitzt, setzt damit stärker auf den KI-Boom, als die Zahl von 500 Unternehmen vermuten lässt. Der Dax zeigt die Kehrseite: Weil er wenig Tech enthält, leidet er weniger unter dem Ausverkauf – profitiert aber auch weniger, wenn die Branche boomt.

Für ETF-Sparpläne gilt ein Mechanismus, der in solchen Phasen wirkt: Wer regelmäßig einen festen Betrag anlegt, erhält bei gesunkenen Kursen mehr Fondsanteile für sein Geld. Fachleute nennen das Durchschnittskosteneffekt. Ob ein Sparplan zur eigenen Lage passt, hängt jedoch vor allem vom Anlagehorizont und von der Frage ab, wie breit das Depot insgesamt gestreut ist.

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Was können deutsche Privatanleger konkret tun?

  1. Klumpenrisiko prüfen. Prüfe, wie stark dein Depot an wenigen Konzernen oder einzelnen Branchen hängt. Ein breit gestreutes Portfolio federt Ausverkäufe in Einzelsektoren besser ab.
  2. Sparplan beibehalten. Regelmäßige Käufe können in schwachen Phasen vorteilhaft sein, wenn der Anlagehorizont lang genug ist. Hektische Umschichtungen nach kurzfristigen Kursbewegungen sind dagegen riskant.
  3. Limits statt Market-Orders. Setze bei Orders in volatilen Märkten Kurslimits, um unerwartete Ausführungspreise bei starken Kursschwankungen zu vermeiden.

Chancen

  • Gedämpfte Schwankungen bei breit aufgestellten Indexfonds mit geringem Tech-Anteil
  • Günstigere Einstiegskurse für Sparpläne, falls die Kurse im Tief wieder erholen
  • Entspannung am Öl- und Anleihemarkt kann Märkten Stabilität geben

Risiken

  • S&P-500-ETFs können bei weiterem Tech-Ausverkauf deutlich an Wert verlieren
  • Weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank könnten Kredite und Finanzierungen verteuern
  • Starke Abhängigkeit des Index von wenigen KI-nahen Aktien erhöht das Schwankungsrisiko

Kennzahlen

US-Inflationsrate September3,7 %
S&P 500 am 14. Oktober-1,1 %
Kursverlust CoreWeave am Mittwoch15,5 %
ASML-Rekordumsatz im dritten Quartal11,7 Mrd. Euro

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