Ölpreis aktuell: Russland-Ausnahme bremst, Iran-Sorgen treiben
Auf einen Blick
- Trump hat Zölle von bis zu 100 % gegen die fünf größten Käufer von russischem Rohöl vorerst ausgesetzt.
- Die US-Ölsorte WTI fiel am Montag zeitweise bis knapp über 96,50 Dollar je Barrel.
- Unbestätigte Berichte über US-Angriffe auf den Iran trieben WTI auf knapp über 99 Dollar, das Hoch seit 16. September.
- Die US-Bestände an Destillaten wie Diesel und Heizöl lagen zuletzt 12 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
- Russland lieferte in diesem Jahr bislang fast die Hälfte der indischen Rohölimporte.
Tendenzometer
TrefferquoteIran-Spannungen um die Straße von Hormus und knappe Destillate sprechen für weiter hohe Notierungen.
Teure Ölprodukte verteuern Transport und Energie und treiben so die allgemeine Teuerung.
Was heißt das für Anleger?
Für Tankende und Heizende können höhere Rohölpreise mit etwas Verzögerung an der Tankstelle und beim Heizölhändler ankommen. Wer Ölwerte oder Rohstoff-ETCs hält, muss wegen politischer Schlagzeilen mit starken Schwankungen rechnen. Bei Öl-ETCs können zudem Terminkontrakte und das Dollar-Währungsrisiko den Wert anders bewegen als den Ölpreis selbst. Die Lage ist kurzfristig unsicher und hängt stark von Nachrichten aus dem Nahen Osten ab.
Konkrete Tipps für AnlegerAm Montag hat der Ölmarkt gezeigt, wie schnell politische Nachrichten die Preise in beide Richtungen bewegen können. Zuerst drückte eine Entscheidung aus Washington zu russischem Öl die Notierungen. Wenige Stunden später schoben unbestätigte Berichte über neue US-Angriffe auf den Iran sie wieder nach oben. Wenn Sie den Ölpreis aktuell verfolgen, weil Sie tanken, mit Öl heizen oder in Energiewerte investiert haben, lohnt sich ein Blick auf die Gründe.
Ölpreis aktuell: Auf und Ab an einem einzigen Handelstag
Im Mittelpunkt stand die US-Ölsorte WTI (West Texas Intermediate). Sie ist neben der Nordseesorte Brent einer der beiden wichtigsten Referenzpreise für Rohöl. Am Freitag kostete WTI in der Spitze knapp über 99 US-Dollar je Barrel (159 Liter), so viel wie seit Mitte September nicht mehr. Am Montag rutschte der Preis zeitweise bis knapp über 96,50 Dollar ab. Damit war etwa ein Fünftel des Anstiegs aus den sieben vorangegangenen Handelstagen wieder weg, und es sah nach dem ersten Verlusttag seit acht Sitzungen aus.
Am Abend drehte sich das Bild: WTI stieg zurück auf knapp über 99 Dollar. Laut dem Finanzportal FXStreet ist das der höchste Stand seit dem 16. September. Damit steuerte die Sorte auf den achten Anstieg in Folge zu.
Warum die Russland-Ausnahme den Ölpreis drückt
Auslöser für den Rückgang war eine Anordnung, die US-Präsident Donald Trump am Freitag unterzeichnet hatte. Damit setzt er die Russland-Teile des sogenannten Graham Act aus. Der US-Senat hatte das Gesetz im September mit 86 zu 11 Stimmen beschlossen. Es sah unter anderem Zölle von bis zu 100 Prozent gegen die fünf größten Käufer von russischem Rohöl vor. In Kraft getreten sind diese Teile nie.
So hängt das mit dem Preis zusammen: Mit den Strafzöllen hätten große Käufer ihr russisches Öl woanders beschaffen müssen. Besonders betroffen wäre Indien gewesen. Russland lieferte in diesem Jahr bisher fast die Hälfte der indischen Rohölimporte. Indien hätte diese Mengen ersetzen müssen, unter anderem mit Öl aus den USA. Dadurch wäre die Nachfrage nach anderem Öl gestiegen und das Angebot auf dem Weltmarkt knapper geworden. Mit der Ausnahme ist dieses Risiko vorerst vom Tisch, und russisches Öl fließt weiter.
Iran-Spannungen: Die Angst um die Straße von Hormus
Dass der Preis trotzdem wieder stieg, liegt am Nahen Osten. Es gab Berichte über neue US-Angriffe auf den Iran, die die USA nicht bestätigten. Der Iran erklärte, er habe keine andere Wahl, als die Straße von Hormus zu kontrollieren. Durchfahren dürften nur noch befreundete Staaten. Die Meerenge ist ein wichtiger Weg für die Ölexporte aus der Golfregion. Brisant ist das, weil Trump am 8. Oktober geschrieben hatte, die USA würden den Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November nicht angreifen.
Außerdem behaupteten die Huthi-Milizen, das saudische Ölfeld Shaybah und eine Anlage des Ölkonzerns Aramco in Yanbu getroffen zu haben. Saudi-Arabien bestätigte das nicht. In Yanbu endet die Pipeline, mit der Saudi-Arabien Öl an Hormus vorbei zum Roten Meer bringt. Damit waren an einem Tag beide Exportwege der Golfregion bedroht.
Wie empfindlich der Markt reagiert, zeigte sich schon Anfang Oktober. Nach einem Bericht des Magazins „The Atlantic“ über mögliche US-Angriffspläne stieg Brent laut dpa-AFX an einem Tag um 4,93 Dollar auf 105,15 Dollar.
Was teures Öl für Tanken, Heizen und Inflation bedeutet
Für Verbraucher zählen nicht nur die Rohölpreise, sondern auch die Preise der Produkte, die daraus hergestellt werden. Heizöl und Diesel gehören zu den sogenannten Mitteldestillaten, und genau dort ist das Angebot knapp. Laut dem letzten Bericht der US-Energiebehörde EIA lagen die US-Bestände an Destillaten 12 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt, obwohl die Raffinerien zu 93,5 Prozent ausgelastet waren. Dazu kommt, dass im Ukrainekrieg viele russische Raffinerien zerstört wurden. Das schränkt das Angebot an Benzin und Diesel zusätzlich ein. Analyst Saul Kavonic von MST Marquee nannte gegenüber Bloomberg drei Gründe für die hohen Preise: knappe Ölprodukte, sehr hohe Transportkosten und das Risiko, dass der Konflikt mit dem Iran eskaliert.
Höhere Rohölpreise kommen in der Regel mit etwas Verzögerung an der Tankstelle und beim Heizölhändler an. Weil Öl in Dollar gehandelt wird, spielt auch der Euro-Kurs eine Rolle. Teure Ölprodukte verteuern außerdem Transport und Energie und treiben so die allgemeine Teuerung, also die Inflation.
Ölwerte und Rohstoff-ETFs: Schlagzeilen bestimmen das Tempo
Den Ölpreis aktuell bewegen vor allem politische Schlagzeilen. Wer über Aktien von Ölkonzernen oder börsengehandelte Rohstoffprodukte am Ölpreis beteiligt ist, muss deshalb mit starken Schwankungen rechnen. Viele Öl-ETCs bilden nicht den aktuellen Ölpreis ab, sondern Terminkontrakte, also Verträge über künftige Lieferungen. Diese müssen regelmäßig durch neue ersetzt werden. Deshalb kann sich der Wert eines solchen Produkts anders entwickeln als der Ölpreis selbst. Bei Anlagen in Dollar kommt noch das Währungsrisiko dazu.
Als Nächstes stehen neue Zahlen zu den US-Lagerbeständen an. Der Branchenverband API veröffentlicht seine Daten am Dienstag um 20:30 Uhr GMT, die EIA folgt am Mittwoch um 14:30 Uhr GMT. Zuletzt waren die US-Lagerbestände um 8,6 Millionen Barrel gesunken.
Was können deutsche Privatanleger konkret tun?
- Schwankungen einplanen. Bei Rohstoffen mit politischen Schlagzeilen können Kurse innerhalb eines Handelstags stark schwanken. Ein fester Plan hilft, Entscheidungen nicht aus dem Moment heraus zu treffen.
- Limits statt Market-Orders. Mit Limitorders lässt sich der Preis begrenzen, zu dem ein Kauf oder Verkauf ausgeführt wird. Das schützt vor unerwarteten Kursausschlägen bei Nachrichten.
- Produktaufbau prüfen. Vor dem Kauf eines Rohstoff-ETCs sollte geklärt werden, ob er Terminkontrakte nutzt und in welcher Währung er notiert. Daraus ergeben sich Abweichungen zum Ölpreis.
Chancen
- Höhere Einnahmen für Ölwerte, wenn der Preis wegen Iran-Spannungen weiter steigt
- Preisausschläge können kurzfristige Handelsmöglichkeiten bieten, bergen aber auch hohes Risiko
Risiken
- Politische Nachrichten können den Ölpreis innerhalb weniger Stunden in beide Richtungen drehen
- Teure Ölprodukte können Inflation und Energiekosten für Verbraucher erhöhen
Kennzahlen
| Ausgesetzte Zölle auf die fünf größten Käufer russischen Rohöls (Höchstsatz) | 100 % |
| WTI-Hoch (knapp darüber), höchster Stand seit 16. September | 99,00 USD |
| US-Destillatbestände unter dem Fünfjahresdurchschnitt | 12 % |
| Letzter Rückgang der US-Lagerbestände laut EIA | 8,6 Millionen Barrel |