Dax Ausblick Woche: Nach dem Wochenplus bleibt die Richtung offen
Auf einen Blick
- Der Dax stieg am Freitag um 0,95 Prozent auf 25.622 Punkte und schaffte ein Wochenplus von gut zwei Prozent.
- Hohe Energiepreise wegen der Konflikte im Nahen Osten gelten als großer Belastungsfaktor für die Märkte.
- Der Dax profitiert von seiner geringeren Abhängigkeit von Technologiewerten, ist aber nicht immun gegen KI-Rückschläge.
- SAP und die Deutsche Börse legen in dieser Woche Quartalszahlen vor, am Freitag folgen die Einkaufsmanagerindizes.
Tendenzometer
TrefferquoteMarktbeobachter erwarten zunächst keine klare Richtung, eine Jahresendrallye gilt als fraglich.
Für die US-Konzerne wird im dritten Quartal ein Gewinn unter dem des zweiten Quartals erwartet.
Was heißt das für Anleger?
Für Sparer und ETF-Anleger zeigt die Lage, dass der Dax zwar stabiler wirkt als der Technologiemarkt, aber nicht vor KI-Rückschlägen geschützt ist. Wer einen Dax-ETF besparen will, hat ein klassisches Industrieprofil, während weltweit gestreute oder USA-lastige Fonds mehr Technologierisiko tragen. Hohe Energiepreise, Inflationssorgen und Zinsen bleiben Unsicherheitsfaktoren, die kurzfristige Kursschwankungen auslösen können.
Konkrete Tipps für AnlegerDer deutsche Leitindex hat eine kräftige Woche hinter sich: Am Freitag stieg der Dax um 0,95 Prozent auf 25.622 Punkte und baute sein Wochenplus damit auf gut zwei Prozent aus. Zuvor hatten Zweifel an den milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) und steigende Zinsen die Börsen weltweit durchgeschüttelt. Der Dax-Ausblick für die Woche fällt trotzdem verhalten aus: Marktbeobachter erwarten, dass der Index zunächst nach einer klaren Richtung sucht.
Dax Ausblick Woche: Warum der Index die Richtung sucht
Die Stimmung hat sich aufgehellt, von Euphorie ist aber wenig zu spüren. Timo Emden vom Handelshaus Captrader sieht das Glas am deutschen Aktienmarkt „wieder halb voll statt halb leer“. Die Anleger hätten das jüngste KI- und Zinsgewitter aus den USA mit einem blauen Auge überstanden. Ob daraus eine Jahresendrallye wird – also ein anhaltender Kursanstieg bis Dezember –, hält er jedoch für fraglich. Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets sieht die Börsenampel immerhin wieder auf Gelb.
Auch der Blick auf den Kursverlauf liefert ein gemischtes Bild. Der Dax hat zuletzt die 21- und die 100-Tage-Linie überwunden. Solche Durchschnittslinien zeigen den mittleren Kurs der vergangenen Handelstage und gelten als Trendsignal. Als nächste Hürde nennen Experten der Schweizer Großbank UBS die 50-Tage-Linie, an der der Index zuletzt mehrfach abgeprallt war. Das Analyseportal Index Radar beobachtet dagegen, dass schlechte Nachrichten allmählich an Schrecken verlieren und die Korrektur an Schwung einbüßen könnte.
Energiepreise, Inflation, Zinsen: die größten Sorgenthemen
Von einer echten Entspannung will Andreas Lipkow vom Handelshaus CMC Markets nicht sprechen. Er verweist auf die hohen Energiepreise infolge der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und gestörter Lieferketten. Wie schnell teure Energie auf die Inflation durchschlägt, hätten die überraschend kräftig gestiegenen Verbraucher- und Erzeugerpreise in den USA gezeigt. Kyle Rodda von Capital.com zählt weitere Unsicherheiten auf:
- geopolitische Spannungen,
- Inflationssorgen und hohe Anleiherenditen, also die Zinsen auf Staats- und Unternehmensanleihen,
- die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA,
- den harten Wettbewerb in der Chipbranche.
Über allem steht die Frage, ob sich die gewaltigen KI-Ausgaben jemals rechnen. Diese Zweifel belasteten am Montagmorgen auch Asiens Börsen: Der japanische Nikkei-Index gab 1,2 Prozent nach, vor allem Chipwerte standen unter Druck. In China stützten dagegen überraschend gute Konjunkturdaten – die Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 4,5 Prozent.
Warum der Dax das KI-Beben weniger spürt
Dass der Dax die Turbulenzen vergleichsweise glimpflich überstanden hat, liegt an seiner Zusammensetzung. Salah-Eddine Bouhmidi vom Handelshaus IG betont, dass der oft als „Industriemuseum“ verspottete Index derzeit von seiner geringeren Abhängigkeit von Technologiewerten profitiert. Völlig immun ist er allerdings nicht: Das Handelsblatt gibt zu bedenken, dass viele deutsche Industriekonzerne selbst von der Nachfrage rund um KI profitieren – und damit auch von einem Rückschlag in diesem Bereich getroffen werden könnten.
Für ETF-Anleger – also Besitzer börsengehandelter Indexfonds – ist dieser Unterschied wichtig. Wer per Sparplan einen Dax-ETF bespart, setzt auf das klassische Branchenprofil der größten deutschen Konzerne. Wer weltweit gestreute oder auf die USA ausgerichtete Fonds bespart, trägt dagegen deutlich mehr Technologierisiko. Uwe Streich, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg, mahnt wegen des hohen Gewichts der Tech-Konzerne in wichtigen Indizes zur Vorsicht. Zwar deuteten Berichte von KI-Profiteuren aus Asien und Europa auf gute Zahlen der US-KI-Giganten hin. Insgesamt werde der Gewinn der US-Unternehmen im dritten Quartal aber voraussichtlich unter dem des zweiten liegen. Bei regelmäßigen Sparplänen fallen kurzfristige Schwankungen allerdings weniger ins Gewicht, weil zu unterschiedlichen Kursen gekauft wird.
Diese Termine können den Markt bewegen
Wichtig für den Dax-Ausblick dieser Woche sind vor allem Konjunkturdaten und Quartalszahlen:
- Dienstag: Erzeugerpreise für Deutschland (September), ZEW-Konjunkturerwartungen und abends die Quartalszahlen der Deutschen Börse. Helaba-Analyst Simon Azarbayjani rechnet mit einem leichten Rückgang des ZEW-Index, das Signal für einen Aufschwung dürfte aber intakt bleiben.
- Mittwoch: Quartalsbilanz des Softwarekonzerns SAP.
- Freitag: Einkaufsmanagerindizes von S&P Global für Oktober – Umfragen unter Firmeneinkäufern, die als Frühindikator für die Konjunktur gelten – für Deutschland, die Eurozone und die USA.
- Im Wochenverlauf: Zahlen von Netflix, Tesla, IBM, Texas Instruments und Intel sowie von einigen Werten aus MDax und SDax.
Zudem rücken die Notenbanken wieder in den Mittelpunkt. Mark Dowding von RBC Bluebay Asset Management bezweifelt, dass eine der großen Zentralbanken bei ihrer nächsten Sitzung die Zinsen anhebt. Äußerungen von US-Notenbankchef Kevin Warsh hatten die aus Marktsicht erwartete Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch im Oktober zuletzt deutlich sinken lassen.
Was können deutsche Privatanleger konkret tun?
- Sparplan beibehalten. Regelmäßige Sparpläne verteilen den Kaufpreis über Zeit und mildern kurzfristige Schwankungen ab. Ein kurzfristiger Kursrückgang ist dafür kein Grund, den Plan zu unterbrechen.
- Klumpenrisiko prüfen. Wer Fonds mit hohem Tech-Anteil besitzt, sollte die Gewichtung der großen US-Konzerne im Depot kennen. Eine breitere Streuung kann die Abhängigkeit von einem Thema verringern.
- Limits statt Market-Orders. Bei volatilen Börsenphasen können Market-Orders zu ungünstigen Kursen ausgeführt werden. Limitorders begrenzen den Preis, zu dem gekauft oder verkauft wird.
Chancen
- Stabilität des Dax durch geringere Technologie-Abhängigkeit
- Mögliche Kurserholung, wenn schlechte Nachrichten an Wirkung verlieren
- Robustes Konjunkturbild, etwa mit starkem chinesischem Wachstum
Risiken
- Rückschläge bei KI-Werten können auch Industriekonzerne im Dax treffen
- Hohe Energiepreise und Inflation belasten Gewinne und Konsum
- Steigende Anleiherenditen könnten Aktien unter Druck setzen
Kennzahlen
| Dax-Schlussstand am Freitag, 16. Oktober | 25.622 Punkte |
| Dax-Tagesplus am Freitag | 0,95 Prozent |
| Minus des Nikkei-Index am Montag | 1,2 Prozent |
| Wachstum der chinesischen Wirtschaft im dritten Quartal | 4,5 Prozent |