Fed-Zinserhöhung: Gold und Silber fallen auf Mehrmonatstief
Auf einen Blick
- Silber fiel am Donnerstag um 5 Prozent und erreichte mit 55,01 Dollar ein Dreimonatstief.
- Gold verlor fast 2 Prozent, rutschte unter 4.100 Dollar und stand so tief wie seit über zwei Monaten nicht.
- Laut CME FedWatch rechnen Händler mit 89 Prozent Wahrscheinlichkeit mit einer weiteren Fed-Zinserhöhung bis Jahresende.
- Im September stiegen die US-Verbraucherpreise um 3,7 Prozent, fast doppelt so stark wie das Fed-Ziel von 2 Prozent.
- Die Ölsorte WTI stieg auf etwa 98,65 Dollar, nachdem sie sich zuvor der Marke von 100 Dollar genähert hatte.
Tendenzometer
TrefferquoteErwartete weitere Fed-Zinserhöhung und ein stärkerer Dollar belasten Gold laut Artikel kurzfristig.
Berichte über mögliche Militärschläge gegen Iran schüren Lieferangst, Energieanlagen könnten Ziel sein.
Was heißt das für Anleger?
Für Anleger wird Gold und Silber als zinsloses Investment unattraktiver, solange die Fed die Zinsen erhöht und der Dollar stärker wird. Wer Edelmetall-ETCs hält, spürt Kursrückgänge direkt, und für Euro-Anleger kann ein steigender Dollar Verluste etwas abfedern. Festgeld und Tagesgeld dürften bei steigenden Leitzinsen attraktiver werden, sofern sich die Zinsen entsprechend bewegen.
Konkrete Tipps für AnlegerWetten auf eine Fed-Zinserhöhung setzen Gold und Silber unter Druck
Am Donnerstag haben Edelmetalle deutlich verloren. Laut dem Finanzportal FXStreet fiel Silber um 5 Prozent und kostete zeitweise rund 55,05 US-Dollar je Feinunze. Kurz davor hatte es bei 55,01 Dollar den tiefsten Stand seit drei Monaten erreicht. Gold verlor fast 2 Prozent, rutschte unter 4.100 Dollar und stand damit so tief wie seit mehr als zwei Monaten nicht mehr.
Der Hauptgrund ist eine Erwartung: Die US-Notenbank Fed könnte die Zinsen noch in diesem Jahr ein weiteres Mal anheben. Dass eine Fed-Zinserhöhung Gold und Silber so stark belastet, liegt auch am US-Dollar, der zuletzt wieder an Wert gewonnen hat.
Warum die Märkte mit höheren US-Zinsen rechnen
Im September hat die Fed ihren Leitzins bereits um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Für die nächste Sitzung am 27. und 28. Oktober erwarten die Märkte eine Pause. Die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung liegt hier nur bei 16 Prozent. Beim Blick auf Dezember sieht es anders aus. Das CME FedWatch Tool liest aus Terminkontrakten ab, mit welchen Zinsschritten Händler rechnen. Danach liegt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Erhöhung bis Jahresende bei 89 Prozent.
Der Grund ist die hartnäckige Inflation. Im September lagen die US-Verbraucherpreise 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Das ist fast doppelt so viel wie das Ziel der Fed von 2 Prozent. Ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel betrug die Teuerung 2,6 Prozent.
Der Ölpreis treibt die Inflation
Ein großer Teil des Preisdrucks kommt vom Öl. Laut FXStreet liegen die Rohölpreise seit dem Krieg im Nahen Osten weiterhin mehr als 50 Prozent über dem Niveau vor dem Krieg. Am Donnerstag stieg die US-Sorte WTI um fast 2 Prozent auf etwa 98,65 Dollar je Barrel. Zwischenzeitlich hatte sie sich der Marke von 100 Dollar genähert.
Neuen Schub brachte ein Bericht der New York Times. Danach sollen die USA und Israel Pläne für neue Militärschläge gegen Iran nach den US-Zwischenwahlen vorbereitet haben. Ziel könnten auch Energieanlagen sein. Das schürt die Angst vor Lieferausfällen. Teure Energie macht Transport, Produktion und Heizen teurer und kann so die gesamte Inflation antreiben. Auf steigende Preise reagieren Notenbanken in der Regel mit höheren statt niedrigeren Zinsen.
Warum höhere Zinsen Edelmetallen schaden
Gold und Silber bringen keine laufenden Erträge, also weder Zinsen noch Dividenden. Solange Anleihen und Festgeld kaum etwas abwerfen, spielt das wenig Rolle. Steigen die Zinsen, verzichten Edelmetall-Anleger dagegen auf immer mehr entgangene Erträge. Fachleute nennen das Opportunitätskosten. Ein Teil des Geldes fließt dann in verzinste Anlagen.
Dazu kommt der Dollar. Höhere US-Zinsen machen die US-Währung attraktiver. Weil Gold und Silber in Dollar gehandelt werden, werden sie für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer. Das bremst die Nachfrage. Silber schwankt meist stärker als Gold. Laut FXStreet ist es bereits seit Mitte Juni schwach.
Edelmetall-ETCs, Dollar und die Rolle der EZB
In Deutschland kaufen viele Anleger Gold oder Silber über ETCs. Das sind börsengehandelte Wertpapiere, die den Metallpreis abbilden und oft mit echtem Metall hinterlegt sind. Wer solche Produkte hält, spürt Kursrückgänge sofort. Für Anleger aus dem Euroraum zählt außerdem der Wechselkurs. Ein steigender Dollar kann Verluste in Euro gerechnet abfedern, ein fallender Dollar kann sie verstärken.
Auch in Europa sind Zinserhöhungen wieder ein Thema. Nach Einschätzung der Bank ING hat die Europäische Zentralbank im September überraschend nach strafferer Geldpolitik geklungen. Danach galt mindestens eine weitere Zinserhöhung im Dezember als möglich. Für Oktober rechnet ING jedoch mit einer Pause, weil die steigenden Renditen am Anleihemarkt schon ähnlich wirken wie eine Zinserhöhung. Wenn Leitzinsen steigen, stützt das in der Regel auch die Zinsen für Tages- und Festgeld. Ob die Debatte um eine Fed-Zinserhöhung Gold und Silber weiter belastet, hängt vor allem von zwei Dingen ab: wie sich Ölpreis und Inflation entwickeln und was die Fed im Dezember beschließt.
Was können deutsche Privatanleger konkret tun?
- Positionsgröße im Blick behalten. Bei volatilen Rohstoffen wie Silber können Kursschwankungen von mehreren Prozent an einem Tag auftreten. Eine bewusst begrenzte Gewichtung im Depot hilft, Schwankungen besser auszuhalten.
- Limits statt Market-Orders. Gerade in schwankenden Marktphasen können Market-Orders zu ungünstigen Ausführungskursen führen. Limitorders schützen vor unerwartet schlechten Preisen.
- Zinsbindung und Festgeld vergleichen. Steigende Leitzinsen verändern die Konditionen für Festgeld und Kredite. Ein Vergleich verschiedener Laufzeiten und Angebote lohnt sich vor Entscheidungen.
Chancen
- Höhere Zinsen auf Festgeld und Tagesgeld, falls die Notenbanken die Leitzinsen weiter anheben
- Ein stärkerer Dollar kann Kursrückgänge bei Gold und Silber in Euro gerechnet teilweise abfedern
- Nach Kursrückgängen könnten sich günstigere Einstiegsniveaus bei Edelmetallen ergeben
Risiken
- Weitere Fed-Zinserhöhungen könnten Gold und Silber zusätzlich unter Druck setzen
- Steigende Ölpreise treiben die Inflation und können Notenbanken zu noch strafferer Geldpolitik zwingen
- Edelmetall-ETCs reagieren schnell auf Kursrückgänge, Verluste können sich kurzfristig deutlich vergrößern
Kennzahlen
| Tagesverlust von Silber am Donnerstag | 5 % |
| Dreimonatstief von Silber je Feinunze | 55,01 $ |
| US-Inflationsrate im September | 3,7 % |
| Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fed-Zinserhöhung bis Jahresende (CME FedWatch) | 89 % |
Termin
Fed-Zinsentscheid nach der Sitzung am 27. und 28. OktoberMittwoch, 28. Oktober 2026