Erzeugerpreise +6,7 %: Neuer Inflationsdruck in Deutschland

Die Erzeugerpreise sind im September 2026 um 6,7 % gestiegen – so stark wie seit März 2023 nicht. Treiber ist vor allem teure Energie.

4 Min. Lesezeit Verantwortlich: Dr.-Ing. Thorsten Henseler Mit KI erstellt · Methodik

Auf einen Blick

  • Die Erzeugerpreise lagen im September 2026 um 6,7 % über dem Vorjahresmonat – der stärkste Anstieg seit März 2023.
  • Energie verteuerte sich bei den Erzeugern um 14,9 %, Mineralölerzeugnisse sogar um 51,3 %.
  • Ohne Energie stiegen die Erzeugerpreise um 3,2 % gegenüber September 2025.
  • Die Inflationsrate in Deutschland lag im September 2026 bei 3,3 %, dem höchsten Wert seit Dezember 2023.
  • Die EZB hob die Leitzinsen im September 2026 an; der Einlagenzins liegt bei 2,5 %.

Tendenzometer

Trefferquote
Ölpreis (Brent)steigt

Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten treiben die Mineralölpreise; der Druck bleibt laut Artikel zunächst bestehen.

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Inflationsratesteigt

Die Erzeugerpreise steigen deutlich, und der Druck auf die Verbraucherpreise lässt laut Artikel zunächst nicht nach.

Signal wahrscheinlichHorizont: 30 Tageohne Symbol · nicht in der Quote

Was heißt das für Anleger?

Für Sparer bedeutet der Einlagenzins von 2,5 % bei 3,3 % Inflation einen realen Kaufkraftverlust. Wer Geld auf Konten oder in Anleihen hält, sollte die Verzinsung nach Teuerung prüfen. Steigende Leitzinsen verteuern Kredite und können die Kurse bestehender Anleihen belasten. Wie stark das Vermögen betroffen ist, hängt von der Verteilung auf Konten, Anleihen und Sachwerte wie Aktien ab.

Konkrete Tipps für Anleger

Die Preise, die Hersteller in Deutschland für ihre Produkte verlangen, sind so stark gestiegen wie seit gut dreieinhalb Jahren nicht mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) lagen die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im September 2026 um 6,7 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Ein höheres Plus gab es zuletzt im März 2023 mit 7,5 %. Allein von August auf September zogen die Preise um 1,9 % an.

Erzeugerpreise und Inflation in Deutschland: Warum die Zahl wichtig ist

Erzeugerpreise sind die Preise, zu denen Bergbau, Industrie sowie Energie- und Wasserversorger ihre Waren im Inland verkaufen – also noch bevor Handel und Verbraucher ins Spiel kommen. Erfasst werden sie ohne Mehrwertsteuer. Destatis beschreibt den Index als Abbild der Preisentwicklung in einer frühen Phase des Wirtschaftsprozesses.

Genau deshalb schauen Ökonomen so genau hin: Wenn Unternehmen für Energie, Metalle oder Chemikalien mehr bezahlen müssen, versuchen sie diese Kosten häufig mit Verzögerung an ihre Kunden weiterzugeben. Steigende Erzeugerpreise gelten daher als Frühindikator – also als Signal, das auf spätere Entwicklungen bei den Verbraucherpreisen hindeuten kann. Ein Automatismus ist das allerdings nicht; wie viel tatsächlich im Supermarkt oder an der Zapfsäule ankommt, hängt auch von Wettbewerb und Nachfrage ab.

Energie treibt die Preise – Krieg im Nahen Osten als Auslöser

Hauptursache des Anstiegs ist Energie, die sich binnen eines Jahres um 14,9 % verteuerte. Destatis führt das vor allem auf die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten zurück. Besonders deutlich fällt der Sprung bei Mineralölprodukten aus:

  • Mineralölerzeugnisse insgesamt: +51,3 % zum Vorjahresmonat
  • Leichtes Heizöl: +91,8 %
  • Kraftstoffe: +48,6 %
  • Erdgas in der Verteilung: +15,0 %, Strom: +8,2 %

Doch nicht nur Energie wird teurer. Vorleistungsgüter – Rohstoffe und Zwischenprodukte, die Unternehmen weiterverarbeiten – kosteten 6,4 % mehr als ein Jahr zuvor. Metalle legten um 14,0 % zu, Kupfer und Halbzeug daraus sogar um 31,4 %. Chemische Grundstoffe verteuerten sich um 11,3 %, Pellets, Briketts und Scheite um 38,5 %. Rechnet man Energie heraus, bleibt immer noch ein Plus von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr; zum Vormonat stiegen die Preise ohne Energie allerdings nur um 0,1 %.

Lebensmittel bei Herstellern günstiger

Es gibt auch Gegenbewegungen. Verbrauchsgüter waren bei den Erzeugern 1,8 % billiger als im September 2025. Nahrungsmittel kosteten insgesamt 4,1 % weniger, Butter sogar 34,8 % und Schweinefleisch 13,9 % weniger. Teurer wurden dagegen pflanzliche Öle (+14,5 %) und Zucker (+4,1 %). Investitionsgüter (+2,4 %) und langlebige Gebrauchsgüter (+2,2 %) verteuerten sich moderat.

Folgen für Verbraucherpreise und Kaufkraft

Bei den Verbrauchern ist der Preisschub bereits angekommen. Die Inflationsrate in Deutschland lag im September 2026 bei 3,3 % – laut Destatis der höchste Wert seit Dezember 2023. Auch hier war Energie mit einem Plus von 14,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat ein zentraler Treiber.

Für Ihr Portemonnaie heißt das: Steigen die Preise schneller als Löhne, Renten oder Zinsen auf dem Sparkonto, sinkt die Kaufkraft – Sie können sich für denselben Betrag weniger leisten. Der deutliche Anstieg der Erzeugerpreise spricht dafür, dass der Druck auf die Inflation in Deutschland zunächst nicht nachlässt, weil höhere Kosten der Unternehmen oft erst nach und nach in den Endpreisen auftauchen.

EZB hat die Zinsen bereits angehoben

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf den wachsenden Preisdruck schon reagiert. Nach einer ersten Anhebung im Juni 2026 erhöhte sie die Leitzinsen am 10. September 2026 erneut um 0,25 Prozentpunkte. Der Einlagenzins – der Satz, zu dem Banken Geld bei der Notenbank parken und an dem sich Sparzinsen orientieren – liegt seit dem 16. September bei 2,5 %. Die nächste Zinsentscheidung steht am 29. Oktober 2026 an. Das Inflationsziel der EZB liegt mittelfristig bei 2 %.

Für Sparer und Anleger ist vor allem der Vergleich wichtig: Mit 2,5 % liegt der Einlagenzins der EZB unter der deutschen Inflationsrate von 3,3 %. Wer Geld zu Zinsen in dieser Größenordnung anlegt, verliert nach Abzug der Teuerung real – also inflationsbereinigt – an Wert. Steigende Leitzinsen verteuern zugleich Kredite und können Kurse von bereits ausgegebenen Anleihen belasten, weil neue Papiere höhere Zinsen bieten. Wie stark Ihr Vermögen von anhaltendem Preisdruck betroffen ist, hängt daher wesentlich davon ab, wie es auf Konten, Anleihen und Sachwerte wie Aktien verteilt ist.

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Was können deutsche Privatanleger konkret tun?

  1. Realzins im Blick behalten. Vergleichen Sie Sparzinsen regelmäßig mit der aktuellen Inflationsrate, um den inflationsbereinigten Ertrag zu erkennen.
  2. Klumpenrisiko prüfen. Prüfen Sie, ob einzelne Branchen wie Energie oder Industrie im Depot zu stark gewichtet sind.
  3. Zinsbindung vergleichen. Wer einen Kredit plant oder verlängert, sollte Zinsbindungen verschiedener Laufzeiten gegenüberstellen, bevor er sich festlegt.

Chancen

  • Höhere Festgeldzinsen, falls die EZB den Leitzins weiter anhebt
  • Kurzlaufende Anleihen können bei steigenden Zinsen attraktiver werden

Risiken

  • Kaufkraftverlust, wenn Löhne, Renten oder Sparzinsen langsamer steigen als die Preise
  • Teurere Kredite und mögliche Kursrückgänge bei bestehenden Anleihen

Kennzahlen

Erzeugerpreise September 2026 zum Vorjahresmonat6,7 %
Anstieg der Energiepreise bei den Erzeugern14,9 %
Inflationsrate September 20263,3 %
EZB-Einlagenzins seit 16. September 20262,5 %

Termin

29Okt

Nächste geldpolitische Entscheidung der EZBDonnerstag, 29. Oktober 2026

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