Inflationserwartungen: Verbraucher rechnen mit 3,1 % Teuerung

Die Verbraucher im Euroraum erwarten wieder etwas höhere Preise. Was die neue EZB-Umfrage für Sparer, Kaufkraft und die Zinsentscheidung am 29. Oktober bedeutet.

4 Min. Lesezeit Verantwortlich: Dr.-Ing. Thorsten Henseler Mit KI erstellt · Methodik

Auf einen Blick

  • Verbraucher im Euroraum erwarten für die nächsten zwölf Monate 3,1 % Inflation, nach 3,0 % im August.
  • Die Inflationserwartungen auf drei und fünf Jahre blieben unverändert bei 2,9 % bzw. 2,5 %.
  • Die tatsächliche Inflation im Euroraum stieg laut Eurostat im September 2026 auf 3,8 %.
  • Der EZB-Einlagensatz, an dem sich Tagesgeld- und Festgeldzinsen orientieren, liegt bei 2,50 %.
  • Die nächste Zinsentscheidung der EZB fällt am 29. Oktober 2026.

Tendenzometer

Trefferquote
DAXfällt

Die Verbraucher erwarten schwächeres Wachstum und höhere Arbeitslosigkeit, was die Konjunkturstimmung belastet.

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Inflationserwartungfällt

Die Haushalte rechnen mit einer leichten Beruhigung, weil die erwartete Rate unter der zuletzt gemessenen Inflation von 3,8 % liegt.

Signal wahrscheinlichHorizont: 30 Tageohne Symbol · nicht in der Quote

Was heißt das für Anleger?

Für Sparer bedeutet die Umfrage, dass Tages- und Festgeld mit einem Einlagensatz von 2,50 % die erwartete Inflation von 3,1 % nicht ausgleichen. Das Sparbuch verliert real noch schneller an Wert. Die Kaufkraft leidet, weil Einkommen laut Umfrage nur um 1,1 % steigen sollen. Wer Geld anlegt oder Kredite plant, sollte die Entwicklung rund um die Zinsentscheidung am 29. Oktober im Blick behalten.

Konkrete Tipps für Anleger

Die Haushalte im Euroraum stellen sich auf weiter steigende Preise ein. Laut der am 23. Oktober 2026 veröffentlichten Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) zu den Verbrauchererwartungen rechnen die Befragten für die kommenden zwölf Monate mit einer Inflation von 3,1 Prozent – nach 3,0 Prozent im August. Der Anstieg ist klein, kommt aber zu einem heiklen Zeitpunkt: Am 29. Oktober entscheidet der EZB-Rat erneut über die Leitzinsen.

Inflationserwartungen der Verbraucher: Was die EZB-Umfrage zeigt

Für die Erhebung befragt die EZB jeden Monat rund 19.000 Erwachsene aus elf Euro-Ländern, darunter Deutschland. Ausgewiesen wird bei der Inflation der Median – also der Wert, bei dem die eine Hälfte der Befragten darüber und die andere darunter liegt. Die wichtigsten Ergebnisse für September:

  • Gefühlte Inflation: Die in den vergangenen zwölf Monaten wahrgenommene Teuerung stieg leicht auf 3,6 Prozent.
  • Erwartung für die nächsten zwölf Monate: 3,1 Prozent nach 3,0 Prozent.
  • Erwartung auf drei und fünf Jahre: unverändert bei 2,9 beziehungsweise 2,5 Prozent.

Zudem wuchs die Unsicherheit der Befragten über die künftige Preisentwicklung etwas. Sie liegt laut EZB weiterhin höher als vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten. Haushalte mit den niedrigsten Einkommen nehmen die Inflation nach wie vor stärker wahr und erwarten auch mehr Teuerung als Haushalte mit hohen Einkommen.

Warum Haushalte mit höheren Preisen rechnen

Von einer gedämpften Inflation kann derzeit keine Rede sein. Nach Angaben des EU-Statistikamts Eurostat zog die jährliche Teuerung im Euroraum im September auf 3,8 Prozent an, nach 3,2 Prozent im August. Am stärksten verteuerte sich Energie, nämlich um 18,9 Prozent binnen eines Jahres. Die EZB selbst sieht im Konflikt im Nahen Osten die Ursache für den anhaltenden Inflationsdruck.

Verbraucher orientieren sich bei ihren Erwartungen stark an dem, was sie beim Tanken, Heizen und Einkaufen erleben. Steigt die gefühlte Inflation, ziehen die Erwartungen meist nach. Bemerkenswert ist allerdings: Die erwartete Rate liegt unter der zuletzt gemessenen Inflation. Die Haushalte rechnen also eher mit einer leichten Beruhigung – aber nicht mit einer schnellen Rückkehr zu niedrigen Teuerungsraten.

Was das für Kaufkraft, Tagesgeld und Festgeld bedeutet

Für die Kaufkraft sind die Zahlen ernüchternd. Ihre Einkommen sehen die Befragten in den kommenden zwölf Monaten nur um 1,1 Prozent wachsen – deutlich weniger als die erwartete Teuerung. Viele Haushalte stellen sich damit auf reale Einbußen ein: Für das gleiche Geld bekommen sie weniger.

Ähnlich ist die Lage beim Ersparten. Entscheidend ist der Realzins, also der Zins nach Abzug der Inflation. Der Einlagensatz der EZB – der Zins, den Banken für bei der Notenbank geparktes Geld erhalten – liegt seit September bei 2,50 Prozent. An ihm orientieren sich die Banken bei Tagesgeld und Festgeld. Selbst Angebote auf diesem Niveau gleichen weder die aktuelle Inflation noch die von den Verbrauchern erwartete Rate aus. Auf dem klassischen Sparbuch, das in der Regel noch geringer verzinst wird, verliert das Geld real entsprechend schneller an Wert.

Beim Festgeld kommt eine Abwägung hinzu: Wer sich einen Zins für mehrere Jahre sichert, gewinnt Planungssicherheit, profitiert aber nicht, falls die Zinsen weiter steigen. Tagesgeldzinsen passen sich dagegen meist zügig an veränderte Leitzinsen an – nach oben wie nach unten.

Welche Rolle die Erwartungen für die EZB spielen

Für Notenbanker sind Inflationserwartungen ein wichtiges Frühwarnsignal. Rechnen Verbraucher dauerhaft mit hohen Preisen, fordern Beschäftigte eher höhere Löhne, und Unternehmen geben Kosten leichter weiter – die Inflation kann sich so verfestigen. Die EZB hat bereits reagiert: Im Juni hob sie die Zinsen an, im September folgte ein zweiter Schritt. Ihr Ziel ist es, die Inflation mittelfristig bei 2 Prozent zu stabilisieren.

Die neue Umfrage liefert ein gemischtes Bild. Die kurzfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher steigen weiter, die längerfristigen bleiben stabil – liegen auf Sicht von fünf Jahren aber weiterhin über dem Zielwert. Gleichzeitig trübt sich die Stimmung ein: Die Befragten rechnen mit schwächerem Wachstum und etwas höherer Arbeitslosigkeit. Diese Mischung macht die Abwägung für den EZB-Rat schwierig. Die EZB betont zwar, dass die Umfrage nicht die Sicht ihrer Entscheidungsgremien wiedergibt. Sie ist aber ein Baustein, den die Währungshüter in ihre Analyse einbeziehen. Die nächsten Umfrageergebnisse sollen am 27. November 2026 erscheinen.

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Was können deutsche Privatanleger konkret tun?

  1. Realzins im Blick behalten. Vergleichen Sie Zinsen stets nach Abzug der Inflation, nicht nur den Nominalzins. So erkennen Sie, ob Ersparnisse real wachsen oder an Wert verlieren.
  2. Zinsbindung sorgfältig vergleichen. Bei Festgeld oder Krediten lohnt der Vergleich verschiedener Laufzeiten. Eine längere Bindung schafft Planungssicherheit, kann aber bei weiter steigenden Zinsen nachteilig sein.
  3. Notgroschen und Sparplan beibehalten. Ein liquides Polster auf Tagesgeld hilft, kurzfristige Ausgaben zu decken. Regelmäßiges Sparen sollte auch in unsicheren Phasen nicht unterbrochen werden.

Chancen

  • Tagesgeld reagiert zügig auf Zinsänderungen und könnte bei weiteren Anhebungen schneller höhere Zinsen bieten.
  • Festgeld sichert einen heute festgelegten Zins über mehrere Jahre ab und schafft Planungssicherheit.

Risiken

  • Das erwartete Einkommenswachstum von 1,1 % liegt unter der erwarteten Inflation, was reale Einbußen bedeutet.
  • Sparbücher verzinsen sich meist geringer und verlieren real schneller an Kaufkraft.
  • Festgeld profitiert nicht, wenn die Zinsen nach Abschluss weiter steigen.

Kennzahlen

Erwartete Inflation nächste 12 Monate (Median)3,1 %
Wahrgenommene Inflation letzte 12 Monate3,6 %
Inflation Euroraum September 20263,8 %
EZB-Einlagensatz seit September 20262,50 %

Termin

29Okt

EZB-Zinsentscheidung (nächste Sitzung des EZB-Rats zu den Leitzinsen)Donnerstag, 29. Oktober 2026

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