Krypto-Haltefrist: Verzögerung bei geplanter Abschaffung
Auf einen Blick
- Das Bundeskabinett hat die Abschaffung der Krypto-Haltefrist am 14. Oktober nicht wie erwartet beraten.
- Der Gesetzentwurf steckt weiter in der Abstimmung zwischen den Ministerien, ein neuer Termin ist offen.
- Bis ein Gesetz beschlossen ist, bleiben Krypto-Gewinne nach mehr als einem Jahr Haltedauer grundsätzlich steuerfrei.
- Nach dem Entwurf sollen künftige Krypto-Gewinne mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus Zuschlägen besteuert werden.
- Für Kryptowährungen, die vor 2027 gekauft wurden, sieht der bisherige Entwurf einen Bestandsschutz vor.
Tendenzometer
TrefferquoteBis zu einem Gesetzesbeschluss bleibt die Steuerfreiheit nach einem Jahr bestehen, die Verzögerung verlängert aber die Unklarheit.
Das BMF hält an seinem Ziel fest, 65 Prozent der befragten Experten erwarten einen Beschluss innerhalb von sechs Monaten.
Was heißt das für Anleger?
Für Krypto-Anleger ändert sich vorerst nichts: Gewinne aus Verkäufen nach mehr als einem Jahr Haltedauer bleiben steuerfrei, solange kein Gesetz beschlossen ist. Nach dem Entwurf könnten künftige Käufe mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus möglichen Zuschlägen besteuert werden, für Bestände vor 2027 ist ein Bestandsschutz vorgesehen. Wer Kryptowährungen hält, sollte die weitere Entwicklung beobachten, ohne seine Entscheidungen allein am Gesetzentwurf auszurichten.
Konkrete Tipps für AnlegerWer Bitcoin oder andere Kryptowährungen länger als ein Jahr hält, muss auf Gewinne beim Verkauf bislang grundsätzlich keine Steuern zahlen. Diese Regel will das Bundesfinanzministerium (BMF) abschaffen. Das Vorhaben kommt aber nicht wie geplant voran. Eigentlich sollte sich das Bundeskabinett am 14. Oktober mit dem Gesetzentwurf befassen. Dazu kam es nicht.
Krypto-Haltefrist: Woher die Verzögerung kommt
Der Entwurf steckt weiter in der sogenannten Ressortabstimmung. In dieser Phase müssen sich die beteiligten Ministerien auf einen gemeinsamen Text einigen. Öffentlich gemacht hatte das unter anderem der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler. Wann die Bundesregierung über den Entwurf entscheidet, ist offen.
Hinter der Verzögerung bei der Krypto-Haltefrist stehen mehrere Entwicklungen:
- Öffentlicher Druck: Mehr als 44.000 Menschen haben eine Petition für den Erhalt der Steuerfreiheit unterstützt. Der Petitionsausschuss des Bundestags hat sie kurz vor dem geplanten Kabinettstermin öffentlich beraten.
- Widerstand in der Union: Auch aus CDU und CSU kommt Kritik. Mindestens zwölf Bundestagsabgeordnete haben sich zuletzt kritisch zur Abschaffung geäußert.
- Offene Fragen: Rechtsanwalt Ingo Heuel unterstützt die Petition als Steuerexperte. Er kritisierte, dass die Schätzungen zu den erwarteten Steuereinnahmen voneinander abweichen. Für ihn ist das ein Zeichen, dass der Entwurf noch nicht reif für einen Beschluss ist.
Schäffler sieht in der Verschiebung einen Beleg dafür, dass der Widerstand wirkt. Vom Tisch ist die Reform damit allerdings nicht: Das BMF hält bislang an seinem Ziel fest, Krypto-Gewinne künftig unabhängig von der Haltedauer zu besteuern.
Was die Verzögerung für Bitcoin-Verkäufe bedeutet
Solange kein Gesetz beschlossen ist, gilt das bisherige Recht. Privatanleger können Kryptowährungen also weiterhin nach mehr als einem Jahr grundsätzlich steuerfrei verkaufen. Die Verzögerung rund um die Krypto-Haltefrist ändert an dieser Rechtslage nichts. Sie verlängert vor allem die Zeit, in der unklar bleibt, wie es weitergeht.
Selbst ein Kabinettsbeschluss würde das Verfahren noch nicht abschließen. Danach müssten Bundestag und Bundesrat über den Entwurf beraten. Steuerberaterin Afra Stöhr von der Kanzlei SWTAX, die auf Krypto-Steuern spezialisiert ist, hat aus der Anhörung mitgenommen: Ob die Haltefrist wirklich abgeschafft wird, ist noch nicht endgültig entschieden.
Was der Entwurf bisher vorsieht
Nach den bekannten Plänen des BMF soll die Steuerfreiheit nach einem Jahr nur für Kryptowerte wegfallen, die künftig gekauft werden. Gewinne daraus würden dann unabhängig von der Haltedauer grundsätzlich mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer besteuert. Das ist die pauschale Steuer auf Kapitalerträge. Dazu könnten noch Zuschläge kommen.
Für Bestände, die vor 2027 gekauft wurden, sieht der bisherige Entwurf einen Bestandsschutz vor. Diese Coins könnten also auch künftig nach mehr als einem Jahr steuerfrei verkauft werden. Ab wann die neue Regel tatsächlich gilt, hängt davon ab, ob und wann Kabinett, Bundestag und Bundesrat zustimmen. Außerdem kann sich der Entwurf im Verfahren noch ändern.
Wie wahrscheinlich die Reform kommt, wird unterschiedlich eingeschätzt. BTC-ECHO und die IU Internationale Hochschule haben dazu eine Umfrage gemacht. 41 Branchenexperten schätzten die Wahrscheinlichkeit, dass die Abschaffung innerhalb von sechs Monaten gesetzlich beschlossen wird, im Schnitt auf 65 Prozent. Bei 254 Teilnehmern aus der BTC-ECHO-Community lag der Wert bei 69 Prozent.
Auch Gold und Bürokratie im Gespräch
In der Anhörung brachte ein Vertreter des Ministeriums außerdem eine weitere Idee ins Spiel: Die Steuerfreiheit nach einem Jahr könnte auch für andere Wirtschaftsgüter wie Gold wegfallen. Der Hintergrund: Das BMF hält eine Sonderregel nur für Kryptowährungen für schwer begründbar. Konkrete Pläne für Gold gibt es laut BTC-ECHO bislang nicht.
Ulrike Lierow-Schad vom Blockchain Bundesverband warnte, die Reform könne Privatanleger gegenüber institutionellen Investoren benachteiligen und zusätzliche Bürokratie schaffen. Sie will zunächst die Daten aus dem europäischen Meldesystem DAC8 abwarten. Darüber werden Krypto-Transaktionen an die Steuerbehörden gemeldet.
Ledger-Vorfall: Manipulierte Wallets im Handel
Neben der Steuerfrage beschäftigt ein Sicherheitsvorfall die Krypto-Anleger. Ein Käufer hat nach eigenen Angaben in zwei MediaMarkt-Filialen verdächtige Hardware-Wallets des Herstellers Ledger entdeckt. Das sind kleine Geräte, auf denen die Zugangsdaten zu Kryptowährungen offline gespeichert werden. Der Händler nahm daraufhin alle Ledger-Produkte aus dem Verkauf.
Untersuchungen zeigen: Zusätzlich eingebaute Elektronik kann die Wiederherstellungsphrase auslesen, ohne den Sicherheitschip anzugreifen. Die Wiederherstellungsphrase ist eine Wortfolge, mit der sich der Zugang zu einem Wallet wiederherstellen lässt. Die Echtheitsprüfung des Herstellers („Genuine Check“) erkennt die Manipulation deshalb nicht. In Südostasien sollen mit ähnlichen Manipulationen bereits Kryptowährungen im Wert von rund 102 Millionen US-Dollar aus 324 Wallets gestohlen worden sein. Wie die Geräte in den Handel kamen, ist ungeklärt. Bei Wallets, die direkt beim Hersteller gekauft wurden, gibt es bislang keine Hinweise auf Manipulationen.
Was können deutsche Privatanleger konkret tun?
- Steuerregeln im Blick behalten. Solange kein Gesetz beschlossen ist, gilt das bisherige Recht. Verkaufszeitpunkte und Bestände lassen sich bei Bedarf mit einer steuerlichen Beratung abstimmen.
- Hardware-Wallets direkt beziehen. Nach dem Ledger-Vorfall sollten Hardware-Wallets möglichst direkt beim Hersteller gekauft und bei Lieferung auf Manipulationen geprüft werden.
- Klumpenrisiko prüfen. Unklare Rahmenbedingungen sind kein Anlass für hektische Verkäufe. Die Größe einzelner Positionen sollte zum eigenen Risikoprofil passen.
Chancen
- Bestandsschutz für vor 2027 gekaufte Coins: steuerfreier Verkauf nach einem Jahr bliebe möglich.
- Bei verzögerter Reform bleibt die Steuerfreiheit nach einem Jahr vorerst bestehen.
Risiken
- Künftige Käufe könnten mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus Zuschlägen besteuert werden.
- Unklare Rechtslage: Der Entwurf kann sich im Verfahren noch ändern oder später beschlossen werden.
- Manipulierte Ledger-Wallets im Handel: Die Echtheitsprüfung des Herstellers erkennt die Manipulation nicht.
Kennzahlen
| Unterstützer der Petition für den Erhalt der Haltefrist (mehr als) | 44.000 |
| geplante Kapitalertragsteuer auf Krypto-Gewinne, zuzüglich möglicher Zuschläge | 25 Prozent |
| geschätzte Wahrscheinlichkeit, dass die Abschaffung in sechs Monaten beschlossen wird (41 Experten) | 65 Prozent |
| Krypto-Schaden durch manipulierte Wallets in Südostasien | 102 Millionen US-Dollar |