Verbrenner-Aus-Lockerung: Aktien der Autobauer legen zu

Berlin und Paris wollen das Verbrenner-Aus ab 2035 aufweichen. Die Aktien von VW, BMW und Mercedes legten deutlich zu – doch EU-Rat und Parlament müssen noch zustimmen.

3 Min. Lesezeit Verantwortlich: Dr.-Ing. Thorsten Henseler Mit KI erstellt · Methodik

Auf einen Blick

  • Deutschland und Frankreich wollen das EU-Verbrenner-Aus ab 2035 stärker lockern als die EU-Kommission.
  • Hersteller sollen den CO2-Ausstoß bis 2035 um 90 Prozent senken, den Rest aber nicht ausgleichen müssen.
  • Im Gegenzug trägt Deutschland strengere „Made in Europe“-Regeln bei der Industrieförderung mit.
  • Der Autosektor war am Freitag mit plus 2,3 Prozent der stärkste Branchenindex im Stoxx 600.
  • Die Lockerung gilt erst, wenn Rat der EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Tendenzometer

Trefferquote
VW-Aktiestabil

Kursgewinne spiegeln Erwartungen wider, während Zustimmung von Rat und Parlament noch aussteht.

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Autowertestabil

Die Branche erholt sich nach schwacher Vorwoche, doch der wirtschaftliche Effekt der Lockerung ist offen.

Signal unsicherHorizont: 7 Tageohne Symbol · nicht in der Quote

Was heißt das für Anleger?

Für Anleger ist vor allem wichtig, dass die Lockerung noch nicht beschlossen ist. Die Kursgewinne bei Autowerten spiegeln bislang überwiegend Erwartungen wider. Wer Autoaktien oder Branchenfonds im Depot hat, sollte die weiteren Schritte in Rat und Europaparlament sowie die Geschäftszahlen im Blick behalten.

Konkrete Tipps für Anleger

Deutschland und Frankreich haben ihren langen Streit über die Zukunft des Verbrennungsmotors beigelegt. In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich beide Regierungen dafür aus, das in der EU beschlossene Verbrenner-Aus ab 2035 deutlich aufzuweichen. An der Börse kam die geplante Verbrenner-Aus-Lockerung gut an: Die Aktien der großen deutschen Autobauer legten am Freitag spürbar zu. Doch politisch ist die Sache noch lange nicht entschieden.

Verbrenner-Aus-Lockerung: Was vereinbart wurde und warum Aktien reagieren

Bisher gilt: Neuwagen in der EU sollen ab 2035 kein CO2 mehr ausstoßen – das kommt faktisch einem Verbot neuer Benziner und Diesel gleich. Die EU-Kommission hatte bereits vorgeschlagen, davon abzurücken. Hersteller sollten ihre Flottenemissionen – also den durchschnittlichen CO2-Ausstoß aller verkauften Neuwagen – bis 2035 nur noch um 90 Prozent senken müssen. Die restlichen zehn Prozent hätten sie allerdings ausgleichen müssen, etwa über synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) und klimafreundlich erzeugten Stahl.

Berlin und Paris gehen nun weiter. Nach ihrem Vorschlag bliebe es beim Minus von 90 Prozent, der Rest müsste aber nicht mehr ausgeglichen werden. Die Folge: Autohersteller dürften auch nach 2035 neue Verbrenner und Hybridfahrzeuge verkaufen, ohne Strafzahlungen fürchten zu müssen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte in Brüssel, das Verbrenner-Aus sei „damit Geschichte“.

Im Gegenzug kam Deutschland Frankreich an anderer Stelle entgegen: Berlin trägt strengere „Made in Europe“-Regeln mit. Dabei geht es darum, bei staatlicher Industrieförderung Produkte aus europäischer Herstellung zu bevorzugen. Beide Regierungen betonten, sie wollten den CO2-Ausstoß weiter deutlich senken und zugleich die Entwicklung und Fertigung von Elektroautos in Europa stärken.

Warum die Autoaktien deutlich zulegten

Der europäische Autosektor war am Freitag der stärkste Branchenindex im Stoxx 600, einem Index mit 600 großen europäischen Unternehmen: Er gewann bis zum späten Mittag 2,3 Prozent. In der Vorwoche hatte die Branche noch ein Sechsjahrestief erreicht. Im Dax stiegen die Vorzugsaktien von Volkswagen um 3,7 Prozent auf 69,34 Euro, BMW zeitweise um 3,45 Prozent auf 57,02 Euro und Mercedes-Benz um 3,23 Prozent auf 41,23 Euro.

Die Logik dahinter: Weniger strenge CO2-Vorgaben senken das Risiko hoher Strafzahlungen und geben den Herstellern mehr Spielraum, wie schnell sie ihr Angebot auf Elektroantrieb umstellen. Allerdings war die Einigung nicht der einzige Kurstreiber. Auch die insgesamt freundliche Stimmung an den Märkten half den Papieren nach der schwachen Vorwoche.

Wer profitieren könnte – und wo Fragezeichen bleiben

Im Fokus stehen Hersteller, die weiterhin viele Verbrenner und Hybride verkaufen – darunter die großen deutschen Konzerne. Auch Zulieferer könnten Rückenwind bekommen. Der FDP-Europaabgeordnete Jan-Christoph Oetjen argumentierte, mehr Flexibilität und Technologieoffenheit helfe nicht nur den Herstellern, sondern auch den Zulieferern. Sein CDU-Kollege Jens Gieseke sprach von einem ausgewogenen Kompromiss.

Wie groß der wirtschaftliche Effekt tatsächlich ausfällt, ist offen. Bei einer CO2-Senkung um 90 Prozent bleibt nur ein begrenzter Spielraum für neue Verbrenner. Schon beim Kommissionsvorschlag galt es als fraglich, ob die Hersteller diese Freiheit nach 2034 überhaupt in großem Umfang nutzen würden. Hinzu kommt: Die geplanten „Made in Europe“-Vorgaben könnten Anbieter, die außerhalb Europas fertigen, bei Förderprogrammen schlechter stellen. Welche Unternehmen am Ende wie stark betroffen sind, hängt von Details ab, die noch nicht feststehen.

Wann die Regelung kommen könnte

Ein Datum für das Inkrafttreten gibt es noch nicht. Die deutsch-französische Linie ist zunächst eine gemeinsame Verhandlungsposition. Damit die Änderungen gelten, müssen sowohl der Rat der EU-Mitgliedstaaten als auch das Europaparlament zustimmen.

  • Rat: Frankreich hatte im Juni gemeinsam mit sechs weiteren Ländern noch vor einem strategischen Fehler gewarnt. Zusammen konnten diese Staaten eine Entscheidung blockieren. Mit dem Schwenk von Paris rückt eine Mehrheit näher, Merz berichtete bereits von positiven Reaktionen anderer Länder.
  • Parlament: Danach folgen Verhandlungen mit dem Europaparlament, in dem die Fraktionen noch unterschiedliche Ansichten vertreten.

Die Kursgewinne nach der angekündigten Verbrenner-Aus-Lockerung spiegeln also vor allem Erwartungen wider – die rechtliche Umsetzung steht noch aus. Daneben rücken die Geschäftszahlen der Konzerne wieder in den Vordergrund: Volkswagen etwa veröffentlicht am 29. Oktober seinen Bericht über die ersten neun Monate des Jahres.

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Was können deutsche Privatanleger konkret tun?

  1. Klumpenrisiken prüfen. Prüfe, wie stark die Autobranche in deinem Depot gewichtet ist. Ein einzelnes Thema sollte nicht den Großteil deines Vermögens bestimmen.
  2. Nachrichten nicht überbewerten. Politische Einigungen sind noch keine verbindlichen Gesetze. Warte auf Abstimmungen und Berichte, bevor du Entscheidungen an Erwartungen knüpfst.
  3. Sparplan beibehalten. Kurzfristige Kursbewegungen nach Nachrichten sind schwer vorherzusehen. Ein regelmäßiger Sparplan verteilt das Einstiegsrisiko über die Zeit.

Chancen

  • Mehr Spielraum für Verbrenner und Hybride könnte Herstellern höhere Absätze ermöglichen
  • Weniger drohende Strafzahlungen stärken die Ertragslage der Autokonzerne
  • Zulieferer könnten von mehr Flexibilität bei der Technologie profitieren

Risiken

  • Die Lockerung ist politisch noch nicht beschlossen und könnte sich verzögern oder verändern
  • Die „Made in Europe“-Regeln könnten Anbieter außerhalb Europas bei Förderungen benachteiligen
  • Ein begrenzter Spielraum nach 2034 könnte den wirtschaftlichen Effekt kleiner ausfallen lassen

Kennzahlen

geplante CO2-Senkung bei Neuwagen bis 203590 %
Plus des Stoxx-600-Autosektors am Freitag2,3 %
Kursplus der VW-Vorzugsaktie auf Xetra3,7 %
zeitweises Kursplus der BMW-Aktie3,45 %

Termin

29Okt

Volkswagen veröffentlicht den Zwischenbericht für die ersten neun Monate des JahresDonnerstag, 29. Oktober 2026

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